Hartz Four - eine Superhelden-Kurzgeschichten-Saga


Seit Jahren sind Hartz-IV-Empfänger die Deppen der Nation. Ob in Ein-Euro-Jobs als billige Arbeitskräfte missbraucht oder vom Jobcenter schikaniert – immer müssen Hartzies herhalten. Doch jetzt treten vier Superhelden in Berlin-Neukölln an die Seite der Armen und Entrechteten: Hartz – Four!

Dietmar Röber


Dietmar

Sandra Röber


Mike Matschke


Fred


Der Boss der Truppe verlor bei einem Unfall sein rechtes Auge. Das Glasauge, das man ihm dafür einsetzte, befähigt ihn nun durch Gegenstände schauen zu können...Dietmars kleine Schwester ist mit allen esoterischen Wassern gewaschen! Häufig sind es ihre prophetischen Träume, die der Hartz-Four Gruppe zeigen, welche arme Hartz-IV-Seele gerade Hilfe braucht.Seit einem allergischen Anfall verfügt dieser Bodybuilder über enorme physische Kräfte, die er allerdings nicht immer kontrollieren kann.Diesem Vollbluttrinker ist es gelungen seine Alkoholfahne zu domestizieren: Diese kann sich unsichtbar durch Räume bewegen und Stimmen imitieren - Sie ist das heimliche fünfte Mitglied des Hartz Four - Clans...



Dienstag, 23. Oktober 2012

Die Hartz-Four Truppe entsteht
Was bisher geschah: Während Dietmar und Fred in der U-Bahn Schwarzfahrer helfen, ist seine Schwester Sandra zum Flughafen gebracht worden, um in die USA verschleppt zu werden...

Zufrieden blickte Dr. Zwackelmann aus dem kleinen Fenster in den Hangar für Privatflugzeuge: Ein triumphaler Tag ging zu Ende und er würde ihn mit diesem Flug gen Westen noch ein wenig verlängern.
Herr P. war nicht nur der Fahrer des Leichenwagens, mit dem sie die betäubte Röber zum Flughafen gebracht hatten, er war auch gleichzeitig der Pilot. Wenige, aber dafür fähige Angestellte, das zeichnete die Organisation aus. Zusammen hatten sie den Holzsarg über die schmale Treppe in die Cessna Citation X geschleppt und nun warteten sie auf die Startgenehmigung.

In fünfzehn Minuten werden wir in der Luft sein, dachte Zwackelmann, schritt an die Minibar und goss sich einen Martini ein.
Morgen bin ich im sonnigen Kalifornien, und meine Vertretung muss sich mit den nervigen Patienten herumschlagen!“ Er erinnerte sich an den gestrigen Tag:
Ich habe mir einen Nerv eingeklemmt …“
Wirklich, Frau Gritzner? Na, dann zeigen Sie mal her“.
Als er an Frau Gritzners Fettröllchen und Hängebrüste dachte, verzog er angewidert das Gesicht.
Oh, Gott, ich muss diese hässlichen deutschen Weiber aus meinen Kopf kriegen.“
Sein Blick viel auf die Kiste und er leerte einen zweiten Martini. In weiser Voraussicht hatte er zu P. gesagt, dass er nicht gestört werden wolle, und jetzt, wo die Arbeit getan war, könnte er sich doch ein bisschen Vergnügen gönnen …
Aber vorher sollte ich mich erst mal frisch machen. Haben diese Mühlen eigentlich eine Dusche an Bord?“
Er überlegte kurz, stellte das Glas ab, überquerte den Gang und öffnete die Tür zum mens room.
Bingo, sie haben …“, konnte er noch sagen, dann bohrten sich zwei Kanülen in seine Brust.
Endlich, ich dachte schon, ich müsste dich über dem Atlantik erledigen!“
Vor ihm stand Dietmar Röber, der mit aller Entschlossenheit den Inhalt der Spritzen in Zwackelmanns Brust versenkte.
Wie schmeckt die eigene Medizin?“, zischte Dietmar seinem Gegenüber entgegen und stieß ihn zurück in den Raum. Zwackelmann wankte nach hinten, stolperte und landete unsanft auf dem Teppich.
Mit den Spritzen noch in den Händen zertrümmerte Dietmar Zwackelmanns Nasenbein.
Verdammt, was hast du mir gegeben?“, stammelte Zwackelmann.
Wortlos zeigte Dietmar dem Arzt die leeren Spritzen.
Flunitrazepam! – Willst du mich umbringen?“
Das hängt vom Zustand meiner Schwester ab!“ Dietmar pfefferte die Kanülen in die Ecke und zog zwei Stricke aus seinem Gürtel.
Sie lebt, verdammt noch mal, sie lebt, ich würde ihr doch nie etwas antun!“
Blitzschnell fesselte Dietmar Zwackelmanns Hände und Füße.
Bete, dass du recht hast, sonst wird dein Sterben so grausam sein, das du dir wünschen wirst, du wärst nie geboren worden...“
Dietmar ließ von Zwackelmann ab, eilte zum Sarg und hob den Deckel an. Sandra lag ruhig und friedlich in der Holzkiste und Dietmar atmete auf, als er sah, das sich ihr Brustkorb regelmäßig auf und ab bewegte.
Dann wandte er sich wieder Zwackelmann zu:
Na, Doc, wie geht es uns, du machst so einen schlaffen Eindruck …! Du warst doch vorhin so interessiert an den Fähigkeiten meines Glasauges – die Kugel ist vielleicht alt, aber sicherlich immer noch ´State of the Art´. Ich werds dir zeigen …“
Er beugte sich über den schon halb weg getretenen Arzt und präsentierte ihn das neueste Feature seines Wunderauges. Ein entsetzliches Wimmern war das Einzige, was Zwackelmann ihm entgegenzusetzen hatte.
Kurz bevor Dietmar fertig war, hörte er ein Piepen im Hinterteil des Flugzeugs.
Die Treppe, jetzt schnell!“ Er zerrte seine Schwester aus dem Sarg und hievte sie sich über die rechte Schulter.
Ein letztes Mal fiel sein Blick auf den röchelnden Mediziner.
Ach, nichts für ungut,“ murmelte er, griff sich an den Gürtel, beugte sich stöhnend hinunter, rammte Zwackelmann eine weitere Spritze in die Brust und drückte ihm die Flüssigkeit ins Gewebe.
Ein Antidot gegen eine Überdosis Flunitrazepam: Jägermeister, so etwas wie ein Naturrezept!“, sagte er, sprintete nach hinten auf die sich langsam schließende Treppentür zu und landete mit einem riesigen Satz auf dem harten Beton der Flugzeughalle.

Am nächsten Dienstag geht es weiter...

© Georg Weisfeld c/o Agentur Literatur Hebel & Bindermann

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